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Seekajaken auf der Algarve

Sommer im Winter zu erleben, das funktioniert nur, wenn man von Deutschland aus mehrere tausend Kilometer in den Süden reist. Genau das haben Nico und ich gemacht, über Land mit dem Zug bis in die Algarve in Portugal.

Um 7:11 Uhr begrüße ich Nico am Kieler Hauptbahnhof mit Frühstück, Rucksack und Helm. Wir haben alles dabei was wir für 3 Wochen Paddeln, Wandern und Klettern brauchen. Auf einen Transfer zum Flughafen, Einchecken, Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrolle und Boarding haben wir keine Lust. Stattdessen wollen wir sehen, wie sich die Landschaft verändert und fühlen wie die Luft Grad für Grad wärmer wird. Unsere Stationen sind Paris, Bordeaux, San Sebastian, Lissabon und schließlich Grândola. Näher kommen wir nicht mit dem Zug zum Startpunkt unseres Wanderwegs. Deshalb halten wir für die letzten Kilometer den Daumen raus.

Zwei junge Doktoranden nehmen uns mit und zeigen uns die besten Strände, bevor sie uns an einem ruhigen Platz zum Zelten rauslassen. Von hier aus sind wir bereit für unsere Wanderung zum Cabo de Sāo Vicente.

Wir wandern von der Küste durch’s Innenland, an Weinplantagen und Korkbäumen vorbei, bis wir wieder in einem kleinen Küstendorf sind. So geht es 5 Tage lang.

Letztes Jahr bei der BCU 3 Star Prüfung von Sea Kayaking Germany hat Nico den Portugiesen Amandio von Sea Kayaking Sarges kennengelernt. Die Einladung im Winter den Trockenanzug einstauben zu lassen und dafür im T-Shirt entlang der von Höhlen zerfressenen Küste zu paddeln ließen wir uns nicht zweimal sagen.

Wir haben freie Wahl bei der Auswahl des Equipments, denn im Winter hat Amandio Nebensaison. Aber warum eigentlich? Warum kommen keine Paddler im Winter ins sommerliche Portugal? Diese Frage können wir bis heute nicht beantworten, denn hier kann man nicht nur Paddeln sondern auch mega Kajak-Surfen.

Nachdem wir nun schon zum Cabo de Sāo Vicente gewandert sind, wollen wir nun vom 130 km entfernten Faro aus der anderen Richtung zu dem Kap paddeln. Die große Filmausrüstung habe ich ausnahmsweise mal Zuhause gelassen. In den Kajaks ist deshalb so viel Stauraum, dass wir Ananas, Orangen und Bananen mitnehmen können. Skorbut müssen wir also nicht befürchten.

An den intensiven Sonnenschein und die Salzkruste auf unserer Haut muss sich unsere helle Winterhaut erst noch  gewöhnen.

Der absolute Touristenmagnet ist die Höhle Benagil. Im 5 Minutentakt fahren die Touristen Boote durch die Höhle. Die Kapitäne halten immer kurz an bis jeder Touri sein Foto geknipst hat und dann fahren sie weiter. Wir können mit den Kajaks ganz entspannt am Strand anlanden und eine Pause unter dem Oberlicht machen.

Am 3. Tag fahren wir an Lagos vorbei. Das einfach Schöne aus den Postkartenmotiven lassen wir hinter uns. Auf diesem letzten Stück beginnt nun der schönste Teil der Tour. Als Seekajak Fahrer sind wir hier ganz alleine und können dicht am Ufer vorbeifahren. Hier ist es überhaupt nicht touristisch und wir können so richtig die Natur erleben.

Amandio kennt die Küste hier wie seine Westentasche und weiß immer ganz genau wo sich der Wind kanalisiert und welche Grotten sicher zu befahren sind. Mit Amandio unterwegs zu sein ist ein großes Geschenk für uns. Ohne ihn hätten wir einige Highlights nicht erlebt.

Die ganze Tour lang war nicht sicher, ob wir es wirklich direkt bis zum Cape de Sāo Vicente schaffen würden oder ob die Bedingungen dort zu rau wären. Kurz vorher kann man am Strand entspannt baden, aber direkt hinter dem Leuchtturm treffen die Strömungen aufeinander. Amandio hat die Situation ganz passend zusammengefasst: „Das ist nicht einfach nur ein Kap, es ist das Süd-West-Kap Europas.“ Für uns war das Kap das Finale und es erst über Land und dann zu Wasser zu erreichen fühlte sich etwas besonders an.

Um unsere Reise schließlich komplett zu machen gehen wir noch einmal in die Vertikale. Sozusagen zwischen Land und Wasser erleben wir die Natur nochmal aus einem anderen Blickwinkel.

Sea Kayaking Sagres

www.seakayakingsagres.com

info@seakayakingsagres.com

(Amandio spricht Deutsch, English und Portugiesisch)