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Wattenmeer mit und ohne Plan

Fast jeder hat sich wohl schon einmal von einem Navigationsgerät in die Irre führen lassen. Mit Eckehard ist mir das noch nicht passiert, aber wie ist das wohl wenn er einmal nicht zur Stelle ist?

„Wir touren durch das Wattenmeer, geniessen den Vogelzug und das herbstliche Wetter und lernen die Westküste und seine Natur besser kennen.“ begann es in der Beschreibung zur Tour. Am ersten Tag paddelten wir von Holmer Siel auf Nordstrand durch das Rummelloch Ost nach Hallig Hooge. Das trübe Wetter schränkte die Sicht ein, aber Eckehard hat bei einer früheren Tour schon bewiesen, dass er diese Strecke auch bei deutlich schlechterer Sicht findet.

Einfahrt zum Rummelloch Ost.

Bei meinen ersten Touren auf dem Wattenmeer war ich glücklich damit einfach nur Mitfahrer zu sein. So konnte ich mich voll und ganz dem Spaß in den Wellen widmen und fotografieren oder filmen. Oft hatte ich keinen Plan, über die Tidenzeiten und darüber wo wir waren. Bei meinen +1000 km Touren in Skandinavien hatte ich bisher zwischen den hunderten kleinen Schäreninseln keine Probleme mit dem Navigieren. Nicht bei Nebel, Sturm oder Starkregen. Nun ist dort immer genügend Wasser und auch die Tonnen verschieben sich nur selten. Am Wattenmeer hatte ich noch nie eine eigene Seekarte dabei. Bei dieser Fahrt habe ich mir aber die Route vorher gut eingeprägt, sodass ich wusste wo es langgeht.

Unsere Ankunftszeit verschob sich immer weiter nach hinten. Ein Teil der Gruppe brachte leider nicht nötige paddlerische Fitness mit.

Nach 27 Km in ca. 6 Std. erreichen wir Hallig Hooge.

Am zweiten Tag war die Sichtweite mit ca. 2 Km noch mehr eingeschränkt, als am Vortag. Auf Hooge konnten wir nur die anderen Halligen erkennen und die erste grüne Tonne (Ho 5). Ansonsten waren die Paddelbedingungen aber gut. Obwohl Eckehard in der Beschreibung immer klare Anforderungen gibt, passiert es immer wieder, dass die Fähigkeiten innerhalb der Gruppe unterschiedlich sind. Damit Basti und ich trotzdem etwas von der Tour haben, drückte Eckehard uns eine Seekarte in die Hand und schickte uns los. Ich checkte die Tidenzeiten bei Windfinder, machte einen Plan und dann ging es los.

Mit ablaufendem Wasser paddelten wir über den Schweinsrücken nach Amrum. Eckehard sagte uns vor der Abfahrt noch die Fahrzeiten vom Adler Express, sodass wir uns bei dem Nebel darauf einstellen konnten, ihm nicht im Fahrwasser zu begegnen.

Auf Amrum hatten wir genügend Zeit bis Tidenkipp und machten einen Spaziergang zum Leuchtturm Nebel.

HERBSTMODE: Auf dem Laufsteg mit dem zweiteiligen Trockenanzug.

Leuchtturm Nebel

 

Eine Stunde vor Tidenkipp machten wir uns an die Weiterfahrt. Wir hielten uns nah zum Schweinsrücken, um nicht in die Quere mit dem Adler Express zu kommen. Selbst zu navigieren war bei diesen Sichtbedingungen schon etwas komplizierter, als sich nur auf Eckehard zu verlassen. Auch wenn die Positionen der Tonnen selten exakt zu denen von der Seekarte stimmen, reichten sie als Navigationspunkt aus.

Zwischenhalt auf Langeneß, wo wir den Rest der Truppe trafen.

Letzte Etappe zurück nach Hooge. Basti und ich hatten schon 32 Km auf dem Buckel. Die fühlten sich durch die langen Zwangspausen aber gar nicht so an.

Rolle vor der Einfahrt zurück nach Hooge.

Ausstieg am hohen Steg. Besser als mit dem guten Trockenanzug durch den Schlick.

Das leere Kajak konnte danach einfach an der Leine hochgezogen werden.

Sternbild Großer Wagen

Noch vor dem Sonnenaufgang ging es am nächsten Morgen ans Frühstücken und Packen. Wir wurden darauf hingewiesen, dass man erst auf die Wiese am Seglerheim darf, wenn die Zeltwiese hinter dem Deich voll ist.

In der Nacht hat es so viel geregnet, dass am Zelt fast Landunter war.

Man kennt sich.

Fazit: Für die nächsten Wattenmeertouren möchte ich mir eine Seekarte zulegen oder zumindest eine Skizze mit den Tonnen und Prielen entlang der Route machen. Ein Gezeitenkalender wäre auch eine gute Sache, so könnte ich dann komplett analog navigieren. Das Eckehard Navi kann aber auch gerne weiterhin nebenher laufen, vielleicht aber auf Stumm geschaltet…